Uwe Glaser



Mein Ring: Uwe Glaser

Uwe GlaserUwe Glaser, in Hannover geboren, in Bremen zur Schule gegangen, ist gelernter Bürokaufmann. Zu seinen großen Leidenschaften gehört die Oper, live oder aus der Konserve. Er zählt nicht nur zu den treuen Besuchern unseres Hauses, sondern auch zu den interessierten Teilnehmern des gemeinsam mit der Staatsoper veranstalteten VHS-Kurses „Keine Angst vorm Ring“. Die „Angst vorm Ring“ ist ihm allerdings schon in jungen Jahren genommen worden …

Meine Eltern waren der Meinung, dass man nicht unbedingt mit Wagner beginnen sollte. So war Mozarts Zauberflöte meine erste Oper. Aber schon bei meinem vierten Opernbesuch sollte es Die Walküre sein. Das war in Bremen, in der Saison 1970/71, und ich war damals 15/16 Jahre alt. Danach habe ich die Ring-Übertragungen im Radio manchmal heimlich, ohne Wissen meiner Eltern, verfolgt. „Ja, Wagner verdirbt die Jugend“, so sagten manche angeblichen Opern Liebhaber damals.

Anfangs reflektierte ich bei meinen Opernbesuchen die Opern selbst kaum. Ich hatte mich damit noch nicht genauer beschäftigt. In Bremen gab es Die Walküre nur kurz. Ich weiß nicht mehr, ob es überhaupt geplant war, den gesamten Ring aufzuführen.

Danach sollte es acht Jahre dauern, bis ich erneut die Gelegenheit hatte, den Ring zu sehen, und zwar in Hannover, in der Saison 1978/79. Ich erinnere mich vor allem, dass es für mich ein ganz anderes Erlebnis war als damals in Bremen. Ich war jedes Mal völlig begeistert. Von der Darstellung der Sängerin der Brünnhilde war ich am meisten fasziniert: Ute Vinzing. Sie ist für mich bis heute eine der bedeutendsten Interpretinnen auf der Bühne geblieben.

Dann war in den Jahren 1981 bis 1983 die Chéreau-Inszenierung aus Bayreuth im Fernsehen zu sehen. Natürlich saß ich gebannt vor dem Bildschirm und staunte nicht schlecht, was dort so alles geboten wurde. Da war alles so anders, dass mir meine bisherigen Erfahrungen fast provinziell vorkamen. Aber ich war auch erstaunt, dass sich die „Wagnermafia“ bei der Premiere 1976 so respektlos aufgeführt hatte. Dennoch soll es nach der Schlussvorstellung der Götterdämmerung 1980 neunzig Minuten Standing Ovations geben haben. Es kann ja nicht nur der Walkürenfelsen gewesen sein, der ab 1977 anders dargestellt wurde!

Mit einem Ring in Seattle verbinde ich eine ganz besondere Erinnerung. Zwar habe ich ihn nicht gesehen, aber als ich in Berlin Frau Vinzing traf, schenkte sie mir interessanterweise einen Scherenschnitt der Brünnhilde aus dieser Inszenierung, den ich bis heute als besonderes Andenken bewahre. In den späten 80er Jahren wurden auf Radio Bremen 2 mehrere Ringe übertragen, die ich eifrig mitschnitt – damals noch auf Tonbandkassetten. Ebenso fiel in diese Zeit mein Kauf des legendären „Solti-Rings“, den ich im Plattenladen um ganze 50 DM herunterhandeln konnte!

Gespannt warteten wir alle auf den „Friedrich-Ring“ an der Deutschen Oper Berlin. Da das Bühnenbild an die US-TV Serie „The Time-Tunnel“ erinnerte, hatte er bald den liebevollen Beinamen „Der Time-Ring“. Von Friedrich war es gar nicht so gewollt, er hatte vielmehr eine Washingtoner U-Bahn-Station vor Augen, auf die er von einem Freund hingewiesen worden war. So hatte ich es zumindest damals im Programmheft gelesen und im Herbst 2010 bei einer Friedrich-Gedächtnis-Veranstaltung auch noch einmal so gehört. Nach dem Besuch einzelner Teile konnte ich den „Time-Ring“ erst im Mai 1990 auch als Zyklus sehen.

Von 1991 bis 1993 schmiedete Hans-Peter Lehmann an der Staatsoper Hannover seinen Ring. Hier konnte ich drei Zyklen bewundern. Das Haus besetzte aus eigenen Kräften. Was für eine Leistung!

Natürlich habe ich auch Das Rheingold und Die Walküre in der neuen Inszenierung von Barrie Kosky gesehen. Auch habe ich den hervorragenden VHS-Kurs „Keine Angst vorm Ring“ besucht. Ich hatte zwar keine Angst, aber das Werk ist so komplex, dass man nach 40 Jahren Ringerlebnissen immer noch etwas Neues entdecken kann. Um alles noch besser zu verstehen, habe ich mir unlängst die Zeit genommen, alle meine zahlreichen Ring-Aufnahmen noch einmal durchzuhören und dabei auch immer brav eine Stunde Pause zwischen den Akten gemacht – wie in Bayreuth! Das Libretto war natürlich immer mit dabei.

Ich bin jetzt schon gespannt, wie der hannoversche Ring weitergeht und endet. Und freue mich jetzt schon auf die zyklische Aufführung am Ende der Spielzeit!