Blumis Ring



Blumis Ring (3)

Was ist los mit dem Ring-Blog? „…ganz schön eingeschlafen, dieser blog. ist wohl nicht so viel los?“, kommentiert ein Nutzer aus Kiel Mitte März das (Nicht-)Geschehen auf dieser Seite. Ja, wir haben geschlafen in den letzten Monaten. Einen Bericht darüber aus der Sicht des Produktionshundes finden Sie hier.

blumfeld03Chrrrrrrrrrrrrrrrr. Nicht stören, bitte! Ich versuch gerade, mich in die Brünnhilde hineinzuversetzen. Die schläft ja nun so an die 25 Jahre vor sich hin. Bis klein Siegfried ins reife Mannesalter gekommen ist. Und das sag ich Euch: Was das Schlafen angeht, da kenn ich mich aus! Ich bin sozusagen Schlaf-Experte! Denn mehr als die Hälfte des Tages mach ich nix anderes. Oft sogar bei den Proben von Herrchen. Aber denkt nicht, dass ich nix mitkriege! Da bin ich wieder ganz Erda! „Mein Schlaf ist Träumen, mein Träumen Sinnen, mein Sinnen Walten des Wissens.“ Jawoll! Sobald’s auf der Bühne irgendwie aggressiv wird, bin ich voll da und bell so laut, dass selbst die Wagnertuben keine Chance mehr haben. Und aggressiv wird’s ja bei Herrn Wagner des öfteren. Wenn ich da nur an diese wilden Weiber, die Walküren, denke. Das ist ja nun alles andere als ein zartes Kaffeekränzchen.
Deshalb ist das ja auch so ne fiese Strafe für die Walküre Brünnhilde: nur daliegen und pennen und pennen und pennen. Jahrelang! Deshalb schläft ja im Augenblick auch der Ring-Blog ein bisschen. Aber Februar ist dann wieder Schluss mit der Pennerei. Dann geht es ab in den Wald zu Siegfried und Mime. Und zu Fafner, der schon seit dem Rheingold am Pennen ist, auf seinen vielen Schätzen. „Ich lieg und besitz. Lasst mich schlafen“, singt er. Aber am Ende wird dann Brünnhilde endlich geweckt! Wenn ich’s richtig überlege, wird da ziemlich viel gepennt, in diesem Ring des Nibelungen! Das Rheingold pennt, bevor es von der Sonne geweckt wird, der Wotan pennt und träumt von seiner neuen Burg, Siegmund pennt bei Sieglinde, und die Erda pennt sowieso die ganze Zeit.
Ich hab dazu ja so meine eigene Theorie. Ich glaub nämlich, der Wagner hat sich da von seinen Hunden inspirieren lassen! Der war nämlich ein großer Hundefreund. Jaha! Angeblich hat er seinen Hunden auch immer als ersten seine Kompositionen vorgespielt! Da staunt Ihr, was? Nicht Minna oder Cosima hießen die Musen Wagners, sondern Peps, Pohl, Robber, Russ, Marke, Brange und Froh. Das sind die Namen von Wagners Hunden. Unter uns: Froh war ein Weibchen! Wenn unser Froh das wüsste!!! Russ, Marke und Froh dürfen sogar Seit an Seit mit ihrem Herrchen im Garten der Villa Wahnfried den ewigen Schlaf schlafen.
Und ich mach jetzt noch mal’n kurzes Nickerchen. So etwa 25 Jahre lang. Bis dann! Chrrrrrrrrrrrrrrrrrr.



Blumis Ring (2)

Blumfeld, Foto: Thomas M. JaukHatschi! Wuff! Nein, keine Sorge, ich bin nicht erkältet! Die große Krankheitswelle im Ensemble begann ja erst kurz vor der Premiere, da bin ich – meiner feuchten Nase sei Dank – verschont geblieben. Mannomann, das war schon was, diese Premiere! Der dritte Mime in einer Woche … unser stimmloser Wotan spielte, aber sang nicht! … War trotzdem ‘n toller Abend … finde ich … oder hab ich mir zumindest sagen lassen. Bei Premieren darf ich ja dann immer nie dabei sein. Herrchen hat Angst, dass ich mit meiner bisweilen überschwänglich aus mir herausbrechenden Begeisterung stören könnte. Pfff! Der Wagner dreht lautstärkemäßig oft so auf, dass mein Bellen sicher nicht gestört hätte.

Warum ich gerade geniest habe? Ach, ich musste nur an die Proben zum Ersten Bild denken. Unter uns: mein Lieblingsbild! All diese schönen Mädels in den glitzernden Kleidern. Dass ein Fluss aus lauter Frauen bestehen kann, wusste ich bisher auch noch nicht. Aber mit diesen wogenden Fächern und fächernden Wogen lass ich mir das schon gefallen. Und diesem Alberich ging es – glaube ich – genau wie mir: Der fand die Rheinmädels auch ganz toll, aber die waren dann leider nicht so nett zu ihm. Deshalb hab ich auch überhaupt keinen Versuch mehr gemacht, mich an eine von denen heranzumachen. Der Regieassistent war ja auch ein ganz Süßer! Der Alberich musste auf jeden Fall auch immer ganz schrecklich niesen von diesen Fächern. „Verfluchtes Niesen!“ Recht hat er. Aus echten Straußenfedern sollen diese Fächer sein. Egal, auf Dauer einfach unangenehm für meine empfindliche Nase. Aber die Mädels hinter den Fächern … hmmmm!

Nu liegt das ja alles schon wieder ‘ne ganze Weile zurück. Ich glaub, ich leide schon so ein bisschen unter Wagner-Entzug. Aber im März geht’s ja weiter: mit der Walküre! Das wird toll! Ganz bestimmt! Und ich als Grane! Hab meine Mähne schon vom Hunde-Coiffeur zurechtmachen lassen! Hojotoho!



Blumis Ring (1)

BlumfeldDer aus Wien stammende Cocker-Spaniel Blumfeld, von Freunden und Verehrer(inne)n „Blumi“ genannt, ist der ständige Begleiter von Regisseur Barrie Kosky. Regiearbeiten führten die beiden unter anderem an die Opernhäuser von Bremen, Essen, Berlin (Komische Oper), Basel und Hannover. So gilt Blumfeld seit einigen Jahren nicht nur in Hundekreisen als Spezialist auf dem Gebiet der Oper. Exklusiv für www.ring-blog.de schreibt er die Kolumne „Blumis Ring“, in der er von seinen Erfahrungen im Zusammenhang mit den Proben zu Hannovers neuem Ring berichtet.

Wuff! Konzeptionsgespräch zum neuen Ring in Hannover. Schöne Stadt, dieses Hannover! Kenn ich ja schon. Hab ja hier schon zweimal mit Herrchen  gearbeitet. Gibt’n paar hübsche Grünanlagen. Und auch einige hübsche Hundedamen, wuff! Aber zurück zum Ring. Den kenn ich zwar noch nicht, aber mit diesem Wagner hab ich schon viiiieeeeel Erfahrung: Lohengrin hab ich schon gemacht (in meiner Heimatstadt Wien), den Fliegenden Holländer (obwohl ich nicht genau weiß, warum der so heißt, denn geflogen ist der in unserer Inszenierung nie!) und diese Liebesgeschichte da, wart mal, ja genau: Tristan und Isolde. Ganz ehrlich: Das war mir manchmal dann doch’n bisschen zu lang. Da hab ich während der Proben schon hin und wieder ein kurzes Nickerchen eingelegt. Kann ich aber nur empfehlen: Es schläft sich hervorragend zu Tristan und Isolde! (Einmal hab ich allerdings geschnarcht. Wie peinlich!). Aber eins hab ich kapiert: Liebe ist bei den Menschen oft ne langwierige Geschichte. Nicht so wie bei uns Hunden. Wenn mir ein kesses Pfötchen gefällt, fackel ich nicht lange!

Aber wenn Ihr denkt, Tristan und Isolde sei lang, dann wartet erst mal auf den Ring! Der geht so lang, dass ihn der Komponist vorsichtshalber in vier Teile zerschnitten hat, damit man ihn in verdaubaren Portionen zu sich nehmen kann. Aber selbst diese vier Teile sind länger, als so ne gewöhnliche Oper dauert. Na ja, der erste Teil, mit dem wir jetzt begonnen haben, Das Rheingold heißt er, geht noch: zweieinhalb Stunden dauert der. Aber dafür ohne Pause! Ist mir sowieso unverständlich, wie lange die Menschen das manchmal aushalten, ohne Pippi zu machen!

Die Sänger und Sängerinnen freuen sich offensichtlich alle auf diese neue Arbeit. Beim Konzeptionsgespräch waren alle ganz fröhlich und aufgeregt, es wurde viel gelacht. Und ich hab ganz viele Streicheleinheiten bekommen. Hmmm! Was die allerdings noch nicht wissen: Herrchen hat mir gesagt, dass ich vielleicht das Pferd Grane spielen darf. Das tritt aber erst im zweiten Teil auf. Aber ich hab schon mal angefangen, wiehern zu üben: „Wihihihihiwuff!“ … Na ja, ich hab ja noch’n bisschen Zeit …