November 2009



Theaterpreis DER FAUST für Barrie Kosky

Am gestrigen Abend hat Barrie Kosky für seine hannoversche Inszenierung Aus einem Totenhaus den Theaterpreis DER FAUST des Deutschen Bühnenvereins in der Kategorie Regie Musiktheater verliehen bekommen! Aus einem Totenhaus von Leoš Janácek war die zweite Inszenierung von Barrie Kosky an der Staatsoper Hannover. Nun inszeniert er hier den Ring des Nibelungen.
Kosky würdigte in seiner Dankesrede die gute Zusammenarbeit mit GMD Wolfgang Bozic und Ausstatterin Katrin Lea Tag, dankte dem Ensemble, dem Chor und der Statisterie für die hervorragende Zusammenarbeit, aus der eine seiner glücklichsten und gelungensten Regiearbeiten entstanden sei. Intendant Dr. Michael Klügl dankte er für die 8-wöchige Probenzeit, die so nicht selbstverständlich gewesen sei.

Die Laudatio für die Nominierten in der Kategorie Regie Musiktheater hielt der Dirigent Ingo Metzmacher.
Die weiteren Preisträger finden Sie in der Pressemitteilung des Deutschen Bühnenvereins unter
www.buehnenverein.de/presse/presse_details.php?id=247&art=mitteilung&start=0&qry=
Ein Sendemitschnitt ist in der Mediathek des Theaterkanals anzuschauen:
www.zdf.de/ZDFmediathek/content/911812

Wir freuen uns und sind stolz auf den Theaterpreis DER FAUST!
Herzliche Grüße aus Mainz, nach Preisverleihung und Feier.
29.11.09, 2.10 Uhr



Mein Ring: Karin Dzionara

Heute erscheint die SPIELZEIT, Theaterbeilage der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, mit dem Programm von Hannovers Bühnen für den Monat Dezember 2009. Ein guter Anlass, um den Beitrag „Mein Ring“ von Karin Dzionara zu veröffentlichen.

Dzionara_KarinKarin Dzionara, Journalistin, studierte Germanistik, Geschichte, Philosophie und Romanistik und ist als Mitarbeiterin der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung seit 1999 verantwortlich für die Redaktion des Theatermagazins SPIELZEIT. Als Hörfunkautorin für den NDR hat sie eine besondere Affinität zu religiösen Themen – vor allem, wenn es dabei um Kunst und Musik geht. Eine aufregende Spurensuche – bisher noch nicht im Werk Richard Wagners, dafür aber im Klanguniversum des französischen Komponisten Olivier Messiaen.

Wagner, nein danke! Dass ich mich eines Tages doch noch in die Mythen- und Musikwelt Richard Wagners vortasten und seinetwegen nach Bayreuth reisen würde, wäre vor einigen Jahren nahezu unvorstellbar gewesen. Bitte keine nordischen Heldensagen und kein Walhall auf dem Grünen Hügel – allein der Begriff „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“ klang beklemmend. Dazu diese merkwürdige geschlossene Gesellschaft, die sich während der Festspielwochen in der oberfränkischen Provinz trifft und die kleine markgräfliche Residenzstadt Sommer für Sommer zum Mittelpunkt der Wagner-Welt und seiner Helden macht. Auch als Hitlers Hoftheater. Beim Ring blieb ich gern auf Distanz. Und überhaupt: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“, wie es Bert Brecht seinem Galilei in den Mund legt.

Dann aber doch erste vorsichtige Annäherungen, Tastversuche in Richtung Ring. Ausgerechnet mit Siegfried, dem Superhelden, in der Inszenierung von Hans-Peter Lehmann an der Staatsoper Hannover – „Nothung, Nothung, neidliches Schwert!“. Der Anfang war gemacht. Und plötzlich fallen einem Regisseure auf, die sich in Bayreuth mit Wagner beschäftigen, Jürgen Flimm, Tankred Dorst, Christoph Schlingensief, Stefan Herheim. Was, die also auch! Es muss sich wohl doch etwas Faszinierendes in Wagners gewaltigem Universum verbergen. Und das öffnete sich plötzlich auf bisher nie da gewesene Weise: mit Public Viewing auf dem Volksfestplatz am Stadtrand von Bayreuth, etwa zwei Kilometer hügelabwärts gleich hinter der Ausfallstraße. Wagner unter freiem Himmel, bei Sommersonne und Hefeweizen. Katharina Wagners Inszenierung der Meistersinger zum Auftakt der Bayreuther Festspiele 2008. Revolution! Wagner für alle – auf dem staubigen Festplatz war das sicher weniger ein Kunstgenuss, dafür aber ein Signal für die Öffnung. Und Anlass für ein paar entspannte Urlaubstage. Morgens beim Frühstück in einem gemütlichen Gasthaus Kritiken über die Ring-Aufführungen auf dem Grünen Hügel lesen, die man dort natürlich nicht gesehen hat, weil sich partout keine Karten mehr ergattern ließen, dann am Vormittag einen dieser wunderbaren Einführungsvorträge hören – zu den Vorstellungen der Tetralogie, die man im Anschluss zwar nicht miterleben wird, die aber in der Phantasie einen ganz besonderen Zauber entwickeln, ja, fast so als wäre man doch dabei gewesen. Mittags in der Fußgängerzone auf Menschen aus aller Welt mit den gelben Wagner-Reclamheftchen in der Tasche treffen, nichts als Wagner, seine Götter und seine Musik im Sinn, und sich abends schon auf den nächsten Vortrag freuen. Ohne Wagner mit Wagner kann also auch ganz schön sein. Ein Spaziergang durch den Garten der Villa Wahnfried, aber keine Heldenverehrung! Gleich neben der Museumsvilla liegt ein zauberhaftes kleines Brauhaus, Zeit zum Lesen: Wagners Ring ist voller Überraschungen.

Karin Dzionara
Redaktion Theatermagazin „Spielzeit“



Bilderrätsel

Freunde und Feinde des Regietheaters, aufgepasst! Unter diesem Link http://parterre.com/2009/11/22/regie-how-i-loves-ya/#comments finden Sie ein Blog mit Opern-Bilderrätseln: „Welche Oper verbirgt sich hinter diesen Szenenfotos?“ In der aktuellen Ausgabe wird über Bilder aus dem hannoverschen Rheingold gerätselt, mit vergnüglichen Lösungsvorschlägen. Das Rätseln macht natürlich vor allem dann Spaß, wenn man die Bilder nicht kennt …



Worte der Woche (6)

Das Rheingold
Vierte Szene

Loge
Glänzt nicht mehr euch Mädchen das Gold,
in der Götter neuem Glanze
sonnt euch selig fortan!



6 Fragen an Barrie Kosky

Barrie Kosky, Foto: Thomas M. JaukDer australische Regisseur Barrie Kosky hat sich bereits mit mehreren Opern Richard Wagners auseinandergesetzt: so mit Lohengrin an der Wiener Staatsoper und mit Der fliegende Holländer und Tristan und Isolde am Aalto-Theater Essen. Den Ring des Nibelungen inszeniert er für Hannover zum ersten Mal.

1) Wie würdest Du Deine Beziehung zu Richard Wagner beschreiben?
Kompliziert und ungelöst.

2) Wie würdest Du die Handlung vom Ring in zwei Sätzen umreißen?
Ein Mann stiehlt ein wenig Gold, macht einen Ring daraus und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, die zum Untergang der Welt führt.

3) Wer ist für Dich die spannendste Figur im ganzen Zyklus?
Alberich.

4) Und wer ist der/die Unsympathischste? Und warum?
Siegfried, weil seine Naivität und Unschuld so gefährlich sind.

5) Deine Lieblingstextstelle?
„Ohe!“ („Oy weh!“) (Alberich in Das Rheingold, 3. Bild).

6) Und Dein Lieblings-Leitmotiv? Warum gerade das?
Tarnhelm-Motiv.