Februar 2010



Aus der Schmiede

Alberich: „Alles geschmiedet und fertig gefügt, wie ich’s befahl!“
Das Rheingold, Dritte Szene

Durch eine Initiative der Staatsoper Hannover ist in der Goldschmiede Stichnoth im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Schmuckstück entstanden: „Der Ring für den Ring“! In einer limitierten Auflage von nur 50 Stück konnte der exklusiv von der Goldschmiede Stichnoth entworfene Ring zusammen mit je zwei Eintrittskarten für die vier Ring-Premieren von allen Opernliebhabern als Erinnerung und als Symbol ihrer tatkräftigen Unterstützung des Kulturlebens in Hannover erworben werben.

Dramaturgie-Jahrespraktikant Marian Joel Küster (FSJ Kultur) schaute den Goldschmieden von Stichnoth über die Schulter und „vertonte“ seine filmischen Eindrücke mit Ausschnitten aus der Rheingold-Premiere an der Staatsoper Hannover (Alberich: Stefan Adam, Loge: Robert Künzli, Wotan: Renatus Mészár, Woglinde: Nicole Chevalier, Wellgunde: Julia Faylenbogen, Floßhilde: Mareike Morr; Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Musikalische Leitung: Wolfgang Bozic).



Worte der Woche (15)

Das Rheingold
Zweite Szene

Wotan
Gleiche Gier war Fricka wohl fremd,
als selbst um den Bau sie mich bat?



6 Fragen an Katharina Hickmann

Katharina Hickmann (Souffleuse) hat bereits in ganz unterschiedlichen Bereichen am Theater gearbeitet: als Regieassistentin und Produktionsleiterin, im Künstlerischen Betriebsbüro und in der Öffentlichkeitsarbeit, als Fotografin und als Souffleuse. Folglich hat sie das Werk Richard Wagners ebenfalls aus sehr unterschiedlichen Perspektiven kennen gelernt: Als Regieassistentin segelte sie mit dem Fliegenden Holländer am Staatstheater Darmstadt, als Beleuchtungskorrepetitorin half sie mit, dem Tannhäuser in David Aldens Münchener Inszenierung nach Rom zu leuchten, als Franz Liszt (!) soufflierte sie dem Fliegenden Holländer erneut am Theater in Trier, wo sie für das „Opern-ABC für Kinder“ auch die Ausstattung entwarf. Den Text des Rings kennt sie seit ihrem 12. Lebensjahr in- und auswendig! Damals nämlich wurde sie durch die berühmte Chéreau-Inszenierung in Bayreuth mit dem Wagner-Virus infiziert.

1) Wie würdest Du Deine Beziehung zu Richard Wagner beschreiben?
Für mich ist Wagner eine Kraftquelle. Rameau geht mir ans Herz, aber Wagner ans Energiezentrum… :-)

2) Wie würdest Du die Handlung vom Ring in zwei Sätzen umreißen?
Ein Haufen mythologischer Wesen prügelt sich um die durch einen goldenen Ring symbolisierte Macht, deren Preis die Liebe ist, und lädt dabei immer mehr Schuld auf sich. Erst am Ende wird deutlich, dass der Eigendynamik und dem Fluch der Macht nur mit Hilfe der Liebe entronnen werden kann. (So, das waren jetzt 2 Sätze, puh! :-))

3) Wer ist für Dich die spannendste Figur im ganzen Zyklus?
Spannend finde ich die alle … fast jeder hat eine Entwicklung. Sehr spannend finde ich diese kleineren Figuren, die klischeehaft zu sein scheinen, es aber nicht sind – wie z.B. Hunding, der durch den Einbruch des Göttlichen in seine kleine Welt Überforderten… Hagen, der auf Erfolg konditionierte Unversöhnliche… Fricka, die auch nur ihren Job tut …

4) Und wer ist der/die Unsympathischste? Und warum?
Mime, zwischen Walküre und seinem Tod: Weil er aus reinem Eigennutz und ohne Herzenswärme ein Kind zu sich nimmt und aufzieht. Er betreibt Double-Bind, indem er Siggi versucht beizubringen, was Liebe ist, ihn aber gleichzeitig nicht ausstehen kann – und eine Katharsis findet nicht statt. Sicher, er hat auch seine Geschichte (ewig zu kurz gekommener Bruder und erstarrte Rachegedanken), aber das rechtfertigt nichts, letztlich betreibt er seelischen Missbrauch, und sein Zögling lässt ihn das auch spüren.

5) Deine Lieblingstextstelle?
„Eine zierliche Fresse zeigst du mir da, lachende Zähne im Leckermaul!“

6) Und Dein Lieblings-Leitmotiv? Warum gerade das?
Könnte ich nicht entscheiden – generell aber auch wieder die „Nebenmotive“: Wanderer, Unruhe, Hagen, Tarnhelm …



Worte der Woche (14)

Das Rheingold
Erste Szene

Alberich
Wie ihr auch lacht und lügt,
lüstern lechz ich nach euch,
und eine muss mir erliegen!



Filmoplast und Ringbindung

Orchestergraben01, Foto: Thomas M. JaukNicht nur auf der Bühne ist alter Stoff in neuem Gewand zu bewundern. Bei Das Rheingold lohnt sich auch ein Blick in den Orchestergraben, denn wie auf der Bühne so ist auch hier ein wahrer Schatz zu entdecken: die Orchesternoten. Aus dem Jahr 1935 stammen die Notenhefte, aus denen das Niedersächsische Staatsorchester spielt, und sie erzählen eine ganz eigene, eine Orchestergeschichte des Rings.

Damit die betagten Hefte auch für zukünftige Inszenierungen noch zur Verfügung stehen, werden sie in aufwendiger Handarbeit restauriert. Jedes einzelne Notenheft wird mit sogenanntem Filmoplast – ein durchsichtiges, wasserabweisendes aber beschriftbares und vor allem alterungsbeständiges Klebeband – abgeklebt. Daraufhin wird die alte Klebebindung aufgeschnitten und gegen eine robuste Ringbindung ausgetauscht. Diese Mühe machen sich Doris Kraus, Bibliothekarin in der Staatsoper, und hilfsbereite Studenten. Und die Mühe ist es wert, denn die zahlreichen handschriftlichen Eintragungen, die über die Jahre in den Notenheften gemacht wurden, helfen den Musikern bei der Einstudierung. Doch nicht nur eingetragene Crescendi und Decrescendi, Taktzahlen oder Einsätze sind Grund für die Erhaltung dieser Noten. „Die Musiker sind sehr stolz auf das alte Material“, so Doris Kraus. Die letzte handschriftliche Ausgabe von 1911, es handelt sich um eine Paukenstimme die noch mit dem königlichen Theaterstempel versehen wurde, zeugt von diesem Stolz: Auf der letzten Seite haben sich die Musiker mit ihrer Unterschrift und dem Datum der jeweiligen Aufführung verewigt.

Maike Grimm