Katharina Hickmann (Souffleuse) hat bereits in ganz unterschiedlichen Bereichen am Theater gearbeitet: als Regieassistentin und Produktionsleiterin, im Künstlerischen Betriebsbüro und in der Öffentlichkeitsarbeit, als Fotografin und als Souffleuse. Folglich hat sie das Werk Richard Wagners ebenfalls aus sehr unterschiedlichen Perspektiven kennen gelernt: Als Regieassistentin segelte sie mit dem Fliegenden Holländer am Staatstheater Darmstadt, als Beleuchtungskorrepetitorin half sie mit, dem Tannhäuser in David Aldens Münchener Inszenierung nach Rom zu leuchten, als Franz Liszt (!) soufflierte sie dem Fliegenden Holländer erneut am Theater in Trier, wo sie für das „Opern-ABC für Kinder“ auch die Ausstattung entwarf. Den Text des Rings kennt sie seit ihrem 12. Lebensjahr in- und auswendig! Damals nämlich wurde sie durch die berühmte Chéreau-Inszenierung in Bayreuth mit dem Wagner-Virus infiziert.
1) Wie würdest Du Deine Beziehung zu Richard Wagner beschreiben?
Für mich ist Wagner eine Kraftquelle. Rameau geht mir ans Herz, aber Wagner ans Energiezentrum… :-)
2) Wie würdest Du die Handlung vom Ring in zwei Sätzen umreißen?
Ein Haufen mythologischer Wesen prügelt sich um die durch einen goldenen Ring symbolisierte Macht, deren Preis die Liebe ist, und lädt dabei immer mehr Schuld auf sich. Erst am Ende wird deutlich, dass der Eigendynamik und dem Fluch der Macht nur mit Hilfe der Liebe entronnen werden kann. (So, das waren jetzt 2 Sätze, puh! :-))
3) Wer ist für Dich die spannendste Figur im ganzen Zyklus?
Spannend finde ich die alle … fast jeder hat eine Entwicklung. Sehr spannend finde ich diese kleineren Figuren, die klischeehaft zu sein scheinen, es aber nicht sind – wie z.B. Hunding, der durch den Einbruch des Göttlichen in seine kleine Welt Überforderten… Hagen, der auf Erfolg konditionierte Unversöhnliche… Fricka, die auch nur ihren Job tut …
4) Und wer ist der/die Unsympathischste? Und warum?
Mime, zwischen Walküre und seinem Tod: Weil er aus reinem Eigennutz und ohne Herzenswärme ein Kind zu sich nimmt und aufzieht. Er betreibt Double-Bind, indem er Siggi versucht beizubringen, was Liebe ist, ihn aber gleichzeitig nicht ausstehen kann – und eine Katharsis findet nicht statt. Sicher, er hat auch seine Geschichte (ewig zu kurz gekommener Bruder und erstarrte Rachegedanken), aber das rechtfertigt nichts, letztlich betreibt er seelischen Missbrauch, und sein Zögling lässt ihn das auch spüren.
5) Deine Lieblingstextstelle?
„Eine zierliche Fresse zeigst du mir da, lachende Zähne im Leckermaul!“
6) Und Dein Lieblings-Leitmotiv? Warum gerade das?
Könnte ich nicht entscheiden – generell aber auch wieder die „Nebenmotive“: Wanderer, Unruhe, Hagen, Tarnhelm …