April 2011



6 Fragen an Ania Vegry

Vegry_3433kAnia Vegry, die heute Abend zum ersten Mal als Waldvogel in Siegfried zu erleben sein wird, hat nach eigenem Bekunden „als junger, schlanker Sopran noch nicht so wahnsinnig viel Wagnererfahrungen vorzuweisen“. In Hannover hat sie im Tannhäuser den Hirten gesungen und wird in der nächsten Spielzeit in der Götterdämmerung als Woglinde zu erleben sein. Im Studium hat sie schon die Woglinde aus dem Rheingold gesungen. Außerdem war sie als Stipendiatin in Bayreuth, wo sie den Fliegenden Holländer, Tristan und Isolde und Parsifal gesehen hat, wovon „der Tristan mit Nina Stemme das absolute Highlight war! Am Schluss bebte der Saal, weil die Leute einfach nicht aufhören konnten zu klatschen; mir dröhnte bereits nach der Ouvertüre der Kopf, da Wagners Musik und Tristan im Speziellen einen drogenähnlichen Effekt bei mir verursachen – ich kann nicht umhin, mich dem Sog der Musik hinzugeben, was zur Folge hat, dass ich im Anschluss an eine Aufführung noch eine ganze Weile lang neben mir stehe. Das passiert allerdings nur, wenn ich zuhöre, nicht, wenn ich selber singe!“

1) Wie würdest Du Deine Beziehung zu Richard Wagner beschreiben?
Ambivalent! Einer natürlichen, nicht begründbaren Abneigung steht eine starke Faszination gegenüber, der man sich (oder besser gesagt: ich mich) tatsächlich nicht entziehen kann. Ich muss aber dazu sagen, dass ich Tristan und Isolde viel lieber mag als den Ring.

2) Wie würdest Du die Handlung vom Ring in zwei Sätzen umreißen?
In zwei Sätzen? Unmöglich! :-) Machtgier, Fleischeslust, Dummheit und allerhand Täuschungen stürzen alle Beteiligten ins Unglück (das klingt jetzt etwas platt, aber herunterreduziert ist das wohl oder übel so, nicht wahr?) – Man könnte auch sagen: Wenn sich doch bloß eine hübsche Zwergin bereit erklärt hätte, den unglücklichen und vereinsamten Alberich zu freien, dann wäre uns aller Ärger erspart geblieben. ;-) Daraus abgeleitet begründet sich also die gesamte Tragödie des Rings wohl auf männlicher Unzufriedenheit, was das eigene Leben und Wirken anbelangt … (*lach*)

3) Wer ist für Dich die spannendste Figur im ganzen Zyklus?
Erda. Sie hat so etwas Bedingungsloses an sich, etwas Passiv-zwingendes. Sie ist die Quelle.

4) Und wer ist der/die Unsympathischste? Und warum?
Wotan. Der hat etwas von einem Politiker unserer Tage, der erst etwas verspricht und es hinterher nicht einhält. Verachtungswürdig.

5) Deine Lieblingstextstelle?
„Garstig gleitender glitschiger Glimmer! Wie gleit ich aus!“ :-) Es gibt einige Stellen, die ganz lustig sind, aber so im Allgemeinen finde ich Wagners dichterische Fähigkeiten nicht so toll – diese ständigen Alliterationen gehen einem nach einiger Zeit gehörig auf den Wecker.

6) Und Dein Lieblings-Leitmotiv? Warum gerade das?
Es gibt viele, zwischen denen ich mich nicht wirklich entscheiden kann (noch dazu glaube ich, dass ich noch nicht einmal die Hälfte kenne); mir gefällt das Leitmotiv der „Liebesglut“ (da zerreißt es einem vor lauter Sehnsucht fast die Seele). Aber auch das Fafner-Leitmotiv ist so einfach wie genial – dieser herabfallende Tritonus, einsam (ohne den Bruder, der ergänzend nämlich eine Oktave ergeben würde) und böse (Tritoni klingen ja von Natur aus irgendwie unvollkommen und unheimlich).
Abschließend muss ich als Waldvogel natürlich feststellen, dass das „Waldwebe-Leitmotiv“ mir besonders am Herzen liegt, so frisch und luftig, dass man sich als Waldvogel einfach wie zu Hause fühlen muss! :-)



Video „Siegfried“ online

Ein Video über Siegfried finden Sie auf der Seite von Theater-TV: http://theater-tv.com/?link=staatsoper_hannover&video=siegfriedhan.flv.




Die ersten Kritiken „Siegfried“

Nach der Premiere Siegfried verlinken wir hier im Ring-Blog auf die Online-Kritiken oder dokumentieren Auszüge der gedruckten Rezensionen.

Braunschweiger Zeitung, 26.04.11
„Koskys Deutung ist konsequent psychologisch, eine wahre Rocky Horror Show. Wagners herrliche Naturschilderung, die Schule der Natur, lässt er so willentlich ins Leere laufen. Dabei schafft Wolfgang Bozic mit dem Staatsorchester ein großes romantisch webendens Klangtableau, farbenreich, auch zart, dann schlagkräftig und emphatisch jubelnd.“
(Andreas Berger)

Deutschlandradio Kultur, Fazit, 17.04.11, 23.04 Uhr
http://www.dradio.de/aod/html/?mod=aod&station=3&day=17&month=04&year=2011&ACTION_DATE=Suchen (Uwe Friedrich im Gespräch)

Frankfurter Rundschau, 20.04.11
„In den ersten beiden Akten bleiben Klaus Grünbergs Raumandeutungen dabei vor allem in sängerfreundlicher, kammerspielartiger Rampennähe: ob nun Mimes bühnenähnliche Behausung mit zentral platziertem Herd, von wo aus Jung-Siegfried als Supermann erst einen Tanzbär dirigiert und dann mit einem Gummihammer sein Wunschwert schmiedet und wo Mime betet, kocht und beim Quiz mit Wotan um seinen Kopf bangt. Oder in der klaustrophobischen Enge des turmartigen, mit Kassettenwänden ausgeschlagenen Vorraums vor der Neidhöhle, samt Waldvogel als Skulptur und quietschlustigem Girlie.“
(Joachim Lange)

Gießener Allgemeine, 21.04.11
http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Kultur/Artikel,-Wagners-Siegfried-in-Hannover-_arid,255174_regid,1_puid,1_pageid,14.html (Joachim Lange)

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 19.04.11
http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/Hannoverscher-Ring-geht-mit-Siegfried-weiter (Rainer Wagner)

NDR Kultur, 18.04.11, 12.33 Uhr
http://www.ndr.de/flash/mediathek/index.html (Agnieszka Zagozdzon)
>> in der NDR Mediathek, Rubrik „Radio“ das Suchwort „Siegfried“ eingeben oder über den Kalender suchen.

Der Neue Merker über die Premiere am 17.04.11
http://www.der-neue-merker.eu/mod,criticism/id_menuitem,15/id_criticism,4053 (Klaus Billand)

Der Neue Merker über die Vorstellung am 20.04.11
http://www.der-neue-merker.eu/mod,criticism/id_menuitem,15/id_criticism,4050 (Martin Freitag)

Neue Presse, 19.04.11
„Es sind die teilweise verblüffenden szenischen Lösungen, die diesen Siegfried so sehenswert machen. Der Drachen muss immer im zweiten Akt erlegt werden, meist ein Pappmaché-Ungetüm, das keinem wirklich Angst macht. Kosky bedient sich dabei aus dem großen Fundus des Films: Ein Monster wird in Hannover auch getötet, der Lindwurm ist hier ein Elefantenmensch, Riese Fafner hat sich in ein beulenbesetztes Ungetüm wie aus einem David-Lynch-Film verwandelt. […] Super gesungen, nachwirkende Bildwunder und ein Orchester in Hochform, Hannovers Ring ist mit dem Siegfried ein Stück näher an die Vollendung gerückt. Eine Aufführung, die Lust auf mehr macht.“
(Henning Queren)

Online Musik Magazin, 21.04.11
http://www.omm.de/veranstaltungen/musiktheater20102011/H-siegfried.html (Bernd Stopka)

Operapoint BLOG, 21.04.11
http://www.operapoint.com/?p=2800 (Rüdiger Ehlert)

Opernglas, Juni 2011
„Als Coup besonderer Güte stellt sich in Hannover immer mehr die Festverpflichtung des Heldentenors Robert Künzli heraus. […] Sein klangschöner Tenor ist vom Volumen nicht übermäßig groß, aber höhensicher, flexibel und durchsetzungsfähig. Hinzu gesellt sich eine hervorragende Textverständlichkeit. […] Als Alberich zeigte Frank Schneiders einmal mehr, wie sehr er sich in den letzten Jahren stimmlich zur Allroundwaffe des Hauses entwickelt hat. Sein Bariton verfügte über dabei über genau die bedrohliche Schärfe, die diese Partei so dringend nötig hat. Seinen Bruder Mime stellte Johannes Preißinger ebenfalls szenisch wie musikalisch überzeugend auf die Bühne. […] Albert Pesendorfers Bass besaß für den Fafner genau das richtige balsamischse Timbre und die notwendige Ruhe in der Phrasierung, das hat ihn im Lauf der letzten Jahre unverzichtbar für das hannoversche Ensemble gemacht. […] Als agiler Waldvogel komplettierte Hinako Yoshikawa das schwachstellenlose Ensemble, dem das Publikum am Schluss dieses langen Abends frenetischen Beifall für seine erstklassige Leistung zollte.“
(Stefan Mauß)

Weser-Kurier, 19.04.11
„Durchatmen vor dem großen Finale, innehalten vor der Götterdämmerung. Die Staatsoper Hannover bot dem Premierenpublikum von Richard Wagners Siegfried (der dritte Teil der Tetralogie Der Ring des Nibelungen) szenisch einen vergleichsweise ruhigen Abend, freilich mit deutlichen Buh- und Bravorufen kommentiert, wohingegen die Musiker zurecht gefeiert wurden.“
(Markus Wilks)



Die ersten Bilder „Siegfried“

Siegfried

Erster Aufzug, Erste Szene
Robert Künzli (Siegfried), Johannes Preissinger (Mime)

Siegfried_2,1

Zweiter Aufzug, Erste Szene
Frank Schneiders (Alberich)

Siegfried_2,3

Zweiter Aufzug, Dritte Szene
Robert Künzli (Siegfried), Hinako Yoshikawa (Waldvogel), Albert Pesendorfer (Fafner)

Siegfried_3,1

Dritter Aufzug, Erste Szene
Béla Perencz (Wanderer), Statistin (Erda)

Siegfried_3,3

Dritter Aufzug, Dritte Szene
Brigitte Hahn (Brünnhilde), Robert Künzli (Siegfried).



Premiere „Siegfried“ im Radio

Die Premiere Siegfried am morgigen Sonntag, 17. April 2011 ist live im Radio zu hören. NDR Kultur überträgt die Vorstellung in Hannover auf 98,7 MHz (weitere Frequenzen hier) ab 15.55 Uhr, mit Pausenberichterstattung von Sabine Lange in den beiden Pausen. Darin sind Interviews mit Regisseur Barrie Kosky, Generalmusikdirektor Wolfgang Bozic sowie den Sängern Robert Künzli (Siegfried) und Béla Perencz zu hören.