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6 Fragen an Ania Vegry

Vegry_3433kAnia Vegry, die heute Abend zum ersten Mal als Waldvogel in Siegfried zu erleben sein wird, hat nach eigenem Bekunden „als junger, schlanker Sopran noch nicht so wahnsinnig viel Wagnererfahrungen vorzuweisen“. In Hannover hat sie im Tannhäuser den Hirten gesungen und wird in der nächsten Spielzeit in der Götterdämmerung als Woglinde zu erleben sein. Im Studium hat sie schon die Woglinde aus dem Rheingold gesungen. Außerdem war sie als Stipendiatin in Bayreuth, wo sie den Fliegenden Holländer, Tristan und Isolde und Parsifal gesehen hat, wovon „der Tristan mit Nina Stemme das absolute Highlight war! Am Schluss bebte der Saal, weil die Leute einfach nicht aufhören konnten zu klatschen; mir dröhnte bereits nach der Ouvertüre der Kopf, da Wagners Musik und Tristan im Speziellen einen drogenähnlichen Effekt bei mir verursachen – ich kann nicht umhin, mich dem Sog der Musik hinzugeben, was zur Folge hat, dass ich im Anschluss an eine Aufführung noch eine ganze Weile lang neben mir stehe. Das passiert allerdings nur, wenn ich zuhöre, nicht, wenn ich selber singe!“

1) Wie würdest Du Deine Beziehung zu Richard Wagner beschreiben?
Ambivalent! Einer natürlichen, nicht begründbaren Abneigung steht eine starke Faszination gegenüber, der man sich (oder besser gesagt: ich mich) tatsächlich nicht entziehen kann. Ich muss aber dazu sagen, dass ich Tristan und Isolde viel lieber mag als den Ring.

2) Wie würdest Du die Handlung vom Ring in zwei Sätzen umreißen?
In zwei Sätzen? Unmöglich! :-) Machtgier, Fleischeslust, Dummheit und allerhand Täuschungen stürzen alle Beteiligten ins Unglück (das klingt jetzt etwas platt, aber herunterreduziert ist das wohl oder übel so, nicht wahr?) – Man könnte auch sagen: Wenn sich doch bloß eine hübsche Zwergin bereit erklärt hätte, den unglücklichen und vereinsamten Alberich zu freien, dann wäre uns aller Ärger erspart geblieben. ;-) Daraus abgeleitet begründet sich also die gesamte Tragödie des Rings wohl auf männlicher Unzufriedenheit, was das eigene Leben und Wirken anbelangt … (*lach*)

3) Wer ist für Dich die spannendste Figur im ganzen Zyklus?
Erda. Sie hat so etwas Bedingungsloses an sich, etwas Passiv-zwingendes. Sie ist die Quelle.

4) Und wer ist der/die Unsympathischste? Und warum?
Wotan. Der hat etwas von einem Politiker unserer Tage, der erst etwas verspricht und es hinterher nicht einhält. Verachtungswürdig.

5) Deine Lieblingstextstelle?
„Garstig gleitender glitschiger Glimmer! Wie gleit ich aus!“ :-) Es gibt einige Stellen, die ganz lustig sind, aber so im Allgemeinen finde ich Wagners dichterische Fähigkeiten nicht so toll – diese ständigen Alliterationen gehen einem nach einiger Zeit gehörig auf den Wecker.

6) Und Dein Lieblings-Leitmotiv? Warum gerade das?
Es gibt viele, zwischen denen ich mich nicht wirklich entscheiden kann (noch dazu glaube ich, dass ich noch nicht einmal die Hälfte kenne); mir gefällt das Leitmotiv der „Liebesglut“ (da zerreißt es einem vor lauter Sehnsucht fast die Seele). Aber auch das Fafner-Leitmotiv ist so einfach wie genial – dieser herabfallende Tritonus, einsam (ohne den Bruder, der ergänzend nämlich eine Oktave ergeben würde) und böse (Tritoni klingen ja von Natur aus irgendwie unvollkommen und unheimlich).
Abschließend muss ich als Waldvogel natürlich feststellen, dass das „Waldwebe-Leitmotiv“ mir besonders am Herzen liegt, so frisch und luftig, dass man sich als Waldvogel einfach wie zu Hause fühlen muss! :-)



6 Fragen an Klaus Grünberg

Klaus GrünbergKlaus Grünberg (Bühnenbildner) stammt aus Hamburg, studierte Bühnenbild bei Erich Wonder in Wien und arbeitet seitdem als freier Bühnenbildner und Lichtdesigner an Theatern und Opernhäusern in Europa sowie in Kuwait und Buenos Aires u.a. mit den Regisseuren Tatjana Gürbaca, Barrie Kosky, Sebastian Baumgarten, André Wilms, Thilo Reinhardt, Antoine Gindt, Christof Nel und Heiner Goebbels.
Seine Wagner-Erfahrungen teilte er bislang alle mit Regisseur Barrie Kosky: Lohengrin an der Wiener Staatsoper und Der Fliegende Holländer sowie Tristan und Isolde am Aalto Theater Essen. 1999 eröffnete er in Hamburg das MOMOLMA (museum of more or less modern art). Siegfried und Götterdämmerung sind seine letzten Wagner-Inszenierungen.

1) Wie würdest Du Deine Beziehung zu Richard Wagner beschreiben?
Wir mochten uns am Anfang gar nicht. Das lag vor allem an seinem Lohengrin. Bei Der fliegende Holländer kamen wir uns aber näher und bei Tristan wurde es besser. Alles, was Theater für mich interessant macht, dass es leicht ist und überraschend, ambivalent, raffiniert, charmant und humorvoll – all das ist Wagner nicht.
Und die Welt wartet auch noch auf einen Helden, der an den Längen in seinen Stücken arbeitet. Kein Goethe oder Shakespeare wird heute bis aufs letzte Wort aufgeführt – aber Wagner.

2) Wie würdest Du die Handlung des Ring in zwei Sätzen umreißen?
Chefgott hat’s schleifen lassen (wenn ein Gott anfängt, seine Macht in Verträgen niederzuschreiben und sich eine Wohnung zu bauen, dann schafft er sich selber ab) und dann keine Chance, aber vor allem auch keine Lust mehr, es gerade zu biegen. Die Welt geht dabei zu Grunde.

3) Wer ist für Dich die spannendste Figur im ganzen Zyklus?
Hagen. Der arbeitet effektiv und redet nicht zuviel darüber.

4) Und wer ist der/die Unsympathischste? Und warum?
Gutrune. Will sich mit ihren Kräutern nur den starken Mann angeln und richtet damit erheblichen Kollateralschaden an.
Platz zwei: Wotan. Jämmerliches Konfliktmanagement in viel zu langen Diskussionen.

5) Deine Lieblingstextstelle?
… Mit einem guten Librettisten hätte richtig was aus Wagner werden können.

6) Und Dein Lieblings-Leitmotiv? Warum gerade das?
Hunding-Motiv – Wegen der bedrohlichen Stille in der Mitte.



Worte der Woche (29)

Die Walküre
Dritter Aufzug, Dritte Szene

Wotan
In festen Schlaf verschliess ich dich:
wer so die Wehrlose weckt,
dem ward, erwacht, sie zum Weib!

Brünnhilde
Soll fesselnder Schlaf fest mich binden,
dem feigsten Manne zur leichten Beute:
dies eine musst du erhören,
was heil’ge Angst zu dir fleht!
Die Schlafende schütze mit scheuchendem Schrecken,
dass nur ein furchtlos freiester Held
hier auf dem Felsen einst mich fänd’!



Worte der Woche (28)

Die Walküre
Zweiter Aufzug, Zweite Szene

Wotan
Den Fluch, den ich floh, nicht flieht er nun mich:
Was ich liebe, muss ich verlassen,
morden, wen je ich minne,
trügend verraten, wer mir traut!



Worte der Woche (27)

Die Walküre
Zweiter Aufzug, Erste Szene

Wotan
Unheilig acht ich den Eid,
der Unliebende eint;
und mir wahrlich mute nicht zu,
dass mit Zwang ich halte, was dir nicht haftet:
denn wo kühn Kräfte sich regen,
da rat ich offen zum Krieg.